Taxi-Krieg: Uber macht nach Niederlage weiter!

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Der private Chauffeurdienst Uber, der Fahrzeuge samt Chauffeur für die Personenbeförderung vermittelt, ist trotz einstweiliger Verfügung in Berlin weiter aktiv. Nach der Klage eines Berliner Taxiunternehmers hat das Landgericht Berlin dem Limousinen-Service Uber verboten, in der Hauptstadt weiter taxenähnlichen Betrieb via Smartphone App anzubieten. Wie Uber Europa-Chef Pierre-Dimitri Gore-Coty erklärte, werde Uber gegen die Verfügung vorgehen und seinen Dienst weiter anbieten.

Uber Limousinen-Service ist Taxiunternehmern ein Dorn im Auge

Bereits 2013 war das US-Startup Uber, das mittlerweile in 70 Städten in 35 Ländern aktiv ist, in Berlin an den Start gegangen. Über eine Smartphone App können Kunden Fahrer mit Limousinen der oberen Mittelklasse rufen. Die Abrechnung erfolgt dabei bequem über die im Uber-System hinterlegte Kreditkartennummer.

Uber
Uber (Bildquelle: Screenshot uber.com)

Maßgebend für die Empörung der Taxi-Unternehmer ist der Umstand, dass Uber-Fahrer als Mietwagenunternehmer Fahraufträge nur an ihrer Betriebsstätte oder ihrem Wohnsitz annehmen dürfen. Lediglich lizensierten Taxis ist die freie Fahrgastaufnahme gestattet. Von daher seien Mietwagenunternehmer gestzlich verpflichtet, nach der Erledigung eines Fahrauftrages an ihren Standort zurückzukehren. Lediglich vom Standort aus fernmündlich übertragene Aufträge gelten als Ausnahme von dieser Regel. Auf diese Grauzone beruft sich Uber. So können Uber Fahrer per Smartphone App Aufträge annehmen, die zu ihrem aktuellen Standort am nächsten gelegen sind.

Gore-Cothy erklärte dazu sinngemäß, dass die Berliner Beförderungsgesetze aus einer Zeit stammen, als es noch kein Internet gab und daher veraltet seien. Es mache weder für den Kunden, noch für den Fahrer Sinn, zwischen zwei Aufträgen den Standort anzufahren.

Mit uberPOP schnell und bis zu 20% günstiger ans Ziel

Nach Paris, Brüssel und Barcelona startete Uber nun am Dienstag vergangener Woche in Berlin seinen neuen Mitfahrdienst uberPOP. Damit wird auch privaten Fahrern die Möglichkeit eingeräumt, per Smartphone App Fahraufträge zur Personenbeförderung mit ihren Fahrzeugen anzunehmen. Das Prinzip ist denkbar einfach und entspricht im Wesentlichen dem des kürzlich auch in einem Beitrag auf NetzNews vorgestellten Startup WunderCar.

Registrierte Kunden öffnen die entsprechende App, anhand des Standorts liefert diese eine Übersicht der Fahrer und ihrer Fahrzeuge, deren aktuellen Standort und die Wartezeit. Anhand dieser Daten und der Bewertung der einzelnen Fahrer entscheidet sich der Fahrgast für einen von ihnen. Kurz darauf kommt das Fahrzeug und der Fahrgast wird zum Ziel transportiert. Am Ziel bewerten sich Fahrer und Fahrgast gegenseitig. Dies dient der Aufrechterhaltung der Qualität, denn sinkt ein Fahrer unter eine festgelegte Punktzahl wird er nicht mehr im System gelistet.

Taxis
Taxis in Deutschland

Die Kosten erfährt der Fahrgast bereits im Vorfeld über die App. Diese liegen deutlich (bis zu 20%) unter denen lizenzierter Taxis. Sie werden direkt über die hinterlegten Kreditkartendaten abgerechnet, so dass kein Bargeld erforderlich ist. Die Quittung kommt per Mail.

EU-Kommissarin: Die Zeit ist reif für Veränderungen

uberPOP stößt auf harten Widerstand bei den Taxikartellen. So wurde der Service in Brüssel von einem Gericht verboten. Bei Zuwiderhandlungen drohen sogar 10.000€ Bußgeld.

Obwohl Uber Europa-Chef Gore-Cothy aus der Tatsache, dass WunderCar bisher noch nicht belangt wurde, zu der Feststellung kommt, die deutsche Hauptstadt sei bereit für solch einen Service, dürfte das Uber-Urteil in Berlin sogar weitreichende Konsequenzen für den Startup-Standort Berlin haben. WunderCar bewegt sich selbst derzeit noch in einer Grauzone bei der Vermittlung privater Personenbeförderung gegen „Trinkgeld“.

Das Vorstandsmitglied des Bundesverband Deutsche Startups e.V. Sascha Schubert erklärte dazu:

„Berlin steht im harten Wettbewerb um die besten Unternehmertalente aber auch um internationale Investoren. Solche Nachrichten werfen uns um Jahre zurück und zerstören die Reputation des Startup Standortes Berlin. Wer gründet schon ein Unternehmen in Berlin, wenn er mit Verbot rechnen muss“ Schubert sieht die Berliner Landespolitik in der Pflicht: „Es genügt nicht, sich mit der Startup-Szene zu schmücken. Man muss auch etwas dafür tun. Wo ist die Berliner Neelie Kroes?“

Die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes äußerte sich gegen das Uber Verbot in Brüssel und meinte, dass sich die Gerichte hinter die Taxi-Kartells und gegen Innovationen stellten. Auf ihrer Website heißt es dazu: „Ich bin empört über die heutige Entscheidung, die Taxi-Service-App zu verbieten. Zeigt Eure Wut!“

Bildquelle: Tupungato / Shutterstock.com

2 Kommentare

  1. Nun ja.
    Anzeigen schreiben, Name, Auto, Datum, Betrag, ans Finanzamt schicken, an deren Haftpflichtversicherung an die man durch geschicktes Fragen ja vielleicht kommen kann, mit Zeugen… und sehen was passieren wird.
    Sollte sich in einiger Zeit herausstellen, das die illegal bleiben, dann krachen die Anzeigen aber voll ins Kontor derjenigen welcher. Und das spricht sich rum.
    Die Fahrer hängen nämlich dann im Turm – nicht die Uber Chefs.
    Angst müssen die haben, dann lassens sie es vielleicht.

    Fred

  2. Dank Frau Merkel und dem Vorantreiben von TTIP wird es noch schlimmer kommen.Für amerikanische Unternehmen gilt dann kein europäisches Recht mehr.Die Entdemokratisierung zugunsten der transatlantischen Kapitaldiktatur hat bereit Einzug bei uns genommen.
    Amerika fühlt sich ja schon heute an keine internationalen Rechte gebunden,fordert diese nur von Anderen.
    Und unsere Regierung?
    Erbärmliche Lakaien des Großkapital´s.

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