WAZER: Wasserstrahlschneider für Werkstatt & Garage!

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Die Do-It-Yourself-Welle rollt seit Jahren mit zunehmender Intensität. Was früher von einigen Menschen schnöde mit „Basteln“ oder „Heimwerken“ abgetan wurde, liegt heute als DIY voll im Trend. Die Maker-Szene boomt, FabLabs und MakerSpaces schießen wie Pilze aus dem Boden und Repaircafés sind stets gut besucht. Selbermacher versuchen ihr Talent längst nicht mehr „nur“ im Renovieren, Reparieren und Schrauben, sondern wagen sich an die Planung und Realisierung von immer komplexeren Projekten. Dies hat vielfältige Gründe. Neben finanziellen Aspekten sind es vor allem die enorm gewachsenen Möglichkeiten, die sich dem Heimwerker, Tüftler und Bastler bieten.

Beispiel Wasserstrahlschneiden
Wasserstrahlschneiden Beispiel (Bildquelle: ics-wasserstrahlschneiden.de)

Nach dem 3D-Drucker kommt der Wasserstrahlschneider

Hightech ist erschwinglich geworden und zunehmend auch privat nutzbar. Zahlreiche Firmen liefern innovative Werkzeuge und Materialien für B2B Kunden und für Privatanwender gleichermaßen. Andere stellen ihre Services via Internet für jedermann bereit. Technologien, die noch vor einiger Zeit ausschließlich in der Industrie und im professionellen Einsatz genutzt werden konnten, sind so für private Verbraucher verfügbar. Dank kostengünstiger Hightech-Materialien, leistungsfähiger Rechentechnik und Software sowie weltweit verfügbaren Services eröffnet sich Tüftlern ein breites Betätigungsfeld. Innovative Technik wie 3D Drucker oder Lasercutter ist erschwinglich geworden und schon recht häufig im privaten Einsatz.

Einer Gruppe von Absolventen der Universität von Pennsylvania ist nun angetreten, eine weitere Hochtechnologie aus der Industrie in den Heimanwenderbereich zu holen: das Wasserstrahlschneiden. Mit WAZER steht der erste Desktop-Wasserstrahlschneider in den Startlöchern und soll nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde auf Kickstarter ab September 2017 zu haben sein.

WAZER
WAZER Wasserstrahlschneider (Bildquelle: kickstarter)

Mit Wasser schneiden: Was steckt dahinter?

Wasserstrahlschneiden ist eine innovative Schneidlösung, bei der das Material mittels eines Hochdruckwasserstrahls getrennt wird. Das Resultat sind äußerst präzise Schnitte im dreidimensionalen Raum, die sich durch besonders glatte Kanten auszeichnen. Im Gegensatz zum Trennen mit anderen mechanischen Verfahren oder mit Laserstrahlen erhöht sich beim Wasserstrahlschneiden die Temperatur des Werkstückes praktisch nicht, so dass es keine hitzebedingten Materialveränderungen gibt. Eine Zusammenfassung der Vor und Nachteile sowie Infos zur Wasserstrahlschneid-Technologie sind auf dieser Website zu finden.

Man unterscheidet beim Wasserstrahlschneiden in zwei unterschiedliche Verfahren: Das Purwasserverfahren und das Abrasivverfahren. Beim Purwasserverfahren wird reines Wasser verwendet. Damit sind absolut präzise Schnitte bei Schnittbreiten von 0,12-0,25 mm in winzigen Werkstücken aus weicheren Materialien wie Schaumstoff, Dämm- und Dichtungswerkstoffe jeglicher Art, Gummi und viele mehr möglich.

Beim Abrasivverfahren wird dem Wasserstrahl in einer Mischkammer am Schneidkopf ein scharfkantiger Sand zugeführt. Das Gemisch wird zu einem scharfen Schneidstrahl mit einer Stärke von 0,75-1,1mm gebündelt. Damit sind saubere Schnittqualitäten auch bei hochfesten Werkstoffen wie Stahl oder Keramik möglich. Das kosteneffiziente Verfahren eignet sich für das Fertigen von Einzelteilen, Prototypen, Rohlingen sowie Kleinserien für nahezu jeden Werkstoff.

Aufgrund des hohen Preises der Anlagen blieb diese Technologie bisher nur der industriellen Nutzung vorbehalten. Diverse Firmen erledigen allerdings auch Schneidaufträge als Serviceleistung für B2B und B2C, wobei das Leistungsspektrum durchaus umfangreich ist.

WAZER bringt Hightech aus der Industrie in die Werkstatt

Die Entwickler von WAZER richten sich mit dem rund 6.000 Euro teuren Wasserstrahlschneider vorrangig an kleinere Betriebe, Werkstätten, FabLabs, aber auch an ambitionierte Privatanwender. Dass der Markt da ist und das Interesse an WAZER groß ist, zeigte die im Dezember 2016 abgelaufene Kickstarter Kampagne. Das Finanzierungsziel von 100.000 US-Dollar wurde schnell erreicht und mit 1.331.936 Dollar um ein Vielfaches übertroffen.

Mit WAZER lassen sich unter anderem Kunststoff, Glas, Keramik, Metall und viele weitere Werkstoffe sauber und präzise schneiden. Das Funktionsprinzip von WAZER ist dabei relativ einfach. Das Gerät besteht aus zwei Einzelkomponenten. Das Desktopgerät beherbergt die Schneideinheit mit der Düse, während die Pumpe, die in einem externen Gehäuse untergebracht ist direkt an den Wasserhahn angeschlossen wird. Der Tank wird mit feinem Granatsand gefüllt, der dem Wasser beim Schneiden zugesetzt und unter hohem Druck aus der Düse auf das Material geschossen wird. Die Kraft des 1,5 mm dicken Wasserstrahls reicht aus, um Glas, Aluminium oder Keramik von bis zu 2,5 Zentimetern Dicke zu schneiden.

Das Erstellen der Formen und Designs erfolgt am PC mittels handelsüblicher Software wie Solidworks, Google Sketch Up oder Adobe Illustrator. Der WAZER wird dann per USB mit dem Computer verbunden und die Form übertragen. In der mitgelieferten Steuerungssoftware werden noch Werte wie Material und Dicke eingegeben und schon kann der Wasserstrahlschneider seinen Dienst tun.

Das verwendete Wasser läuft natürlich nicht direkt ins Abwasser, sondern es wird gefiltert und dann über einen Schlauch ins Waschbecken geleitet. Zuvor werden Sand und ausgeschnittenes Material in einem Behälter aufgefangen und können so später umweltgerecht entsorgt werden.

Das bei Kickstarter eingenommene Geld soll verwendet werden, um das Projekt weiter zu finanzieren und die Fertigung anzukurbeln. Auch soll die Steuersoftware noch weiter verbessert werden, ehe die ersten WAZER Desktop Wasserschneider im September 2017 ausgeliefert werden. Die Entwickler hoffen, dass der WAZER einen ebensolchen Anklang findet, wie die ersten 3D Drucker für den Heimanwender.

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