Kann Mastodon Twitter ernsthaft Konkurrenz machen?

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Auch wenn der Kurznachrichtendienst Twitter als Leitmedium von Donald Trump gilt und der US-Präsident allein auf rund 30 Mio. Follower verweisen kann, scheint sich Twitter für viele auf dem absteigenden Ast zu bewegen. Während die Zahl der aktiven Nutzer kaum noch steigt, wachsen die Verluste des börsennotierten Unternehmens. Und jetzt scheint Twitter mit Mastodon auch noch ambitionierte Konkurrenz zu bekommen. Mastodon ist nach der US-amerikanischen Metal Band aus Atlanta benannt und, geht es nach dem 24-jährigen Softwareentwickler Eugen Rochko aus Jena, sollte das gegenwärtig gehypte Social Network Mastodon schon bald Twitter den Rang ablaufen. Wie Mastodon funktioniert und ob das Network wirklich, wie von Rochko behauptet, das „bessere“ Twitter ist, soll dieser Beitrag zeigen.

Mastodon Startseite
Screenshot: Mastodon Startseite

Mastodon will anders sein …

Mastodon ist ein freies soziales Netzwerk, das als dezentrale Alternative zu kommerziellen Plattformen gelten will. Vom Design und der Funktion her erinnert es auch stark an Twitter. Allerdings bietet es 500 statt 140 Zeichen Platz für einen „Toot“ („Tröt“), wie die versendeten Posts bei Mastodon heißen. Ebenso lassen sich Nachrichten mit einem Sternchen favorisieren oder teilen.

Der große Unterschied ist aber, dass Mastodon dem Nutzer mehr Transparenz sowie wesentlich mehr Privatsphäre verspricht. Im Unterschied zu Twitter und anderen bekannten Plattformen läuft Mastodon nicht über einen zentralen Server bei einem Anbieter, sondern über viele, weltweit verteilte Server. Es funktioniert, ähnlich bei der E-Mail-Kommunikation, wo Nutzer von GMX mit Gmail- oder Yahoo-Nutzern kommunizieren können. Jeder User kann auf Wunsch eine eigene Mastodon-Instanz eröffnen. Zudem ist das System Open Source, so dass jeder User Zugang zur Software hat und selbst mitentwickeln kann.

Mastodon Dashboard
Screenshot: Mastodon Dashboard

Die Privacy Einstellungen bei Mastodon sind viel genauer als bei Twitter und die Richtlinien für das Miteinander bei Nutzung der Plattform relativ streng. So ist beispielsweise festgelegt, dass Hate-Speech, Rassismus und Sexismus verboten sind. Zudem gilt, dass es bei Mastodon keine Werbung und kein Tracking gibt. Daher wird auch die Timeline nicht von Algorithmen vorgefiltert, sondern chronologisch angezeigt. Der User kann jederzeit wählen, ob er die globale oder die lokale Timeline sehen möchte. Die globale Timeline zeigt alle Beiträge, die weltweit „getrötet“ werden und bei der lokalen Timeline werden nur jene Posts gelistet, die am selben Server verfasst werden.

Wie funktioniert die Anmeldung bei Mastodon?

In puncto Usability gibt es bei diesem neuen Social Network noch Nachbesserungsbedarf. Allein die Anmeldung bei Mastodon ist aufwändiger als die Registrierung bei Twitter. Der User kann zwischen verschiedenen Servern wählen, was das Ganze etwas verwirrend gestaltet. Die meisten sind auch wenig einprägsam. Sofern bei der Registrierung verfügbar, sollte der von Rochko selbst verwaltete Server „mastodon.social“ gewählt werden. Auch die Einstellungen sind schwieriger nachzuvollziehen. Hier liegt auch sicherlich das Hauptproblem von Mastodon, denn von intuitiver Nutzererfahrung kann hier kaum die Rede sein. Dies dürfte auch verhindern, dass Mastodon wirklich schnell die kritische Größe (Nutzerzahl) erreicht, um dann richtig zu wachsen und sich als Netzwerk zu etablieren.

Fazit: Die Idee hinter Mastodon – eine dezentralisierte Alternative zu kommerziellen Plattformen zu schaffen – ist gut. Sie entspricht dem Wunsch vieler Nutzer, sich nicht länger von Algorithmen bestimmen und jede Aktivität tracken zu lassen. Auch fällt bei dieser Form des Netzwerks das Risiko weg, dass ein einzelnes Unternehmen bestimmt, was passiert und vielleicht den Dienst über Nacht ausknipsen kann. Ob sich das Ganze allerdings so schnell so entwickelt, um Twitter und Co. in absehbarer Zeit vom Thron zu stoßen, bleibt jedoch abzuwarten.

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