freifunk.net, freie Kommunikation für alle!

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Ein Grund, dass Deutschland bei der Digitalisierung noch immer hinterherhinkt ist, dass es zu wenige freie Netzzugänge gibt. Die Infrastruktur für die Internet-Nutzung wird bei uns von großen Providern bereitgestellt, die als marktbeherrschende Anbieter den Leistungsumfang und die Preise bestimmen. Dabei ist es eigentlich irrwitzig, dass jeder einen eigenen Internetzugang besitzt, dafür den vollen Preis an einen der Provider zahlt und das bezahlte Potenzial nie ausnutzt. Teilen wäre hier doch die wesentlich günstigere Lösung.

Die Internet-Nutzung wird aber nicht nur von Providern beeinflusst, sondern zunehmend auch von Konzernen und Regierungen kontrolliert, wie Netzabschaltungen in Ägypten oder Blockierungen in China gezeigt haben oder die Diskussion um Vorratsdatenspeicherung nahelegen. Auch das Thema Störerhaftung hält viele davon ab, kostenlose WLAN-Knoten anzubieten. Das antiquierte Gesetz besagt, dass bei der Nutzung illegaler Inhalte nicht nur der Täter belangt wird, sondern auch derjenige, der die Internetverbindung bereitgestellt hat.

Kostenlose und freie Kommunikation ohne langfristige Verträge, ohne Vorratsdatenspeicherung und ohne bürokratische Fallstricke wie Störerhaftung ist natürlich noch besser. Die Initiative freifunk.net zeigt, wie dies funktionieren kann.

freifunk.net Screenshot
Screenshot: freifunk.net

Was ist freifunk?

freifunk ist eine nichtkommerzielle Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, allen Menschen einen freien und kostenlosen Zugang zum Internet via WLAN bereitzustellen. Dazu wird ein dezentrales und selbst verwaltetes Netzwerk von einzelnen Routern aufgebaut, die sich über Funk verbinden. Jeder einzelne freifunk-Nutzer stellt seinen WLAN-Router bzw. einen Teil seiner Bandbreite zum Datentransfer der anderen Teilnehmer zur Verfügung und kann im Gegenzug Daten, Musik, Videos und andere Inhalte über das freifunk-Netz übertragen.

Wie funktioniert freifunk?

Jeder einzelne Freifunk-Router ist Bestandteil des Netzwerkes. Er stellt einen Knoten dar, der mit anderen Knoten im Netz verbunden ist. So entsteht ein vermaschtes Netzwerk (Mesh-Netzwerk). Die einzelnen Knoten tauschen Daten direkt über das verzweigte Netzwerk miteinander aus. Jeder Knoten ist zugleich Sender, Empfänger und Verteiler. Je mehr Router daran beteiligt sind, desto verzweigter und umfangreicher ist das freifunk-Netzwerk.
Dabei wird auf handelsübliche Hardware und modifizierte Open Source Software gesetzt. Dies ist eine spezielle LINUX-Distribution, die auf den WLAN-Routern installiert wird. Ein Internettunnel sorgt dafür, dass die Daten so umgeleitet werden, dass sich der Nutzer um die Störerhaftung keine Gedanken machen muss.

Welche Vorteile bringt die Kommunikation via freifunk?

Der Vorteil dieser Form des Netzwerks ist, seine natürliche Redundanz. Das Netzwerk kann von niemandem einfach abgeschaltet werden. Fällt ein Knoten aus, wird automatisch eine andere Route gewählt und so der Transfer weiter ermöglicht. Es entsteht eine eigenständige freie Infrastruktur. Der Nutzer ist anonym unterwegs, denn der einzelne Router ist praktisch nicht identifizierbar und die Daten können nicht gefiltert werden, wodurch eine Zensur nahezu unmöglich ist.

Wie man bei freifunk mitmachen kann?

Bei freifunk kann jeder mitmachen. Einerseits kann man als Unterstützer auftreten und die Idee weiter publik machen oder sich einer freifunk-Gruppe anschließen. Überall in Deutschland gibt es mittlerweile lokale freifunk-Gruppen, die auch zu regelmäßigen Treffen zusammenkommen. So entsteht eine ständig wachsende Community von Leuten, die sich dem Thema Demokratisierung der Internet-Nutzung durch freie Netze verschrieben haben. Schließlich besteht natürlich die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen und seinen Router als weiteren Knoten bereitzustellen. Auf der Website freifunk.net gibt es alle notwendigen Informationen dazu.

Hier wird auch über die aktuellen Entwicklungen und urteile in Bezug auf Vorratsdatenspeicherung und Störerhaftung berichtet.

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